Tobias Wilhelm erhält „Land in Sicht“-Stipendium 2020 für Volkmarsen

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Seit 2017 setzt der Hessische Literaturrat e.V. mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) das Projekt „Land in Sicht: Autorenresidenzen im ländlichen Raum“ um. Die Stipendien gingen bisher an Nachwuchstalente und Romandebütant*innen wie Jenifer Becker und Jan Wilm, aber auch an etabliertere Autor*innen wie Claudia Brendler, Safiye Can und Dirk Hülstrunk.

2020 sind Stipendien in Friedewald (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), Reichelsheim (Odenwaldkreis) und Volkmarsen (Landkreis Waldeck-Frankenberg) geplant. Die Stadt Volkmarsen hat sich für den Autor Tobias Wilhelm entschieden: Der Stipendiat, dessen Debütroman „Weißer Asphalt“ 2019 im Hanser Verlag erschien, wird ab September für zwei Monate in Volkmarsen leben und arbeiten. Wilhelm studierte von 2009 bis 2014 Drehbuch und Dramaturgie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad. Mit dem mittellangen Spielfilm „ZIMA“ (Drehbuch) war er für den Deutschen Kurzfilmpreis sowie den Studio Hamburg Nachwuchspreis in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert. 2020 erhielt Tobias Wilhelm eine Drehbuchförderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Volkmarsen fasziniert den Autor vor allem durch seine intensive Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte der Stadt und deren Aufarbeitung. Dabei möchte er auch Parallelen zum Wohnort seiner Kindheit herstellen: „Was unterscheidet die Historie der beiden Orte, was haben sie gemein? Was macht es mit Menschen, Dinge zu verschweigen? Welche Auswirkungen hat eine umfassende Aufarbeitung auf das Gemeinwesen? Meinen Erkenntnisprozess, aber auch mein Zweifeln und Scheitern, würde ich in einem literarischen Tagebuch festhalten“, erklärt Tobias Wilhelm. Vor Ort würde er gerne Zeitzeug*innen, die die NS-Zeit oder die Nachkriegsjahre miterlebt haben, sprechen und Workshops in Zusammenarbeit mit dem Verein Rückblende anbieten.